|
Mama und ich stillen | ausnahmsweise mal von meiner Mama erzählt und nicht von mir | aufgeschrieben am 7.11.2003 Von 10 ml zum vollgestillten Kind Johanna war in meinem Bauch, ich freute mich schon unendlich auf sie. Für mich war klar, dass ich sie auch stillen würde. Einmal stillte ich sie im Traum, es war wunderschön das einzig seltsame war, sie war so klein... Dann kam alles anders. Johanna wurde zu früh geboren. Man brachte mir eine Milchpumpe die mich viele, viele Wochen begleiten würde... Für mich war es ganz klar: ich wollte durchhalten, solange pumpen bis ich Johanna richtig stillen kann. Jeder ml war kostbar, wurde auf die Neo zu Johanna gebracht und durch die Magensonde verabreicht. Während des Sondierens wurde oft ein Wattestäbchen in die Milch getunkt, an dem Johanna saugen und sich mit dem Geschmack vertraut machen durfte :-). Es war so rührend wie sie an diesem Wattestäbchen saugte. In den kommenden Wochen erlebte ich Höhen und Tiefen (leider wesentlich mehr Tiefen als Höhen). Die Milch wollte einfach nicht richtig fließen. Ich dachte: "Nun ist der Traum vom Stillen aus". Jedoch wollte und konnte ich nicht aufgeben; ich wusste wie wichtig die Milch für Johanna ist. Ich pumpte und pumpte, besorgte mir homöopathische Tropfen, Weleda Stillöl und ließ mir von meinem Arzt Gastrosil Tropfen (Nebenwirkung: Milchbildung) verordnen, trank Malzbier und Milchbildungstee, habe mir Haferbällchen nach einem alten afrikanischen Rezept zur Milchbildung backen lassen... Ich habe sie alle ausprobiert, die kleinen Tipps und Tricks zur Milchbildung - ohne sichtlichen Erfolg. Ich weiß gar nicht mehr, wie oft ich weinend an der Milchpumpe, an Johannas Bettchen oder sonst wo gesessen haben, weil es wieder nur ein klitzekleines Pfützchen Milch gegeben hatte! Ich habe mich wirklich als schlechte Mutter gefühlt, weil ich mein kleines Mädchen noch nicht einmal ernähren konnte. Der Druck wurde immer größer und die Milch noch weniger. Anfangs habe ich mir sogar nachts den Wecker gestellt, um bloß alle vier Stunden abzupumpen. Die Milchmenge (über den Tag verteilt) hat sich aber nicht geändert, nach dem ich wieder durchgeschlafen habe (mein Dank für den Tipp geht an die Oberärztin der Intensivstation) und so hatte ich zumindest morgens ein kleines Erfolgserlebnis, wenn ich Milch von mehreren Stunden abpumpen konnte. Die Milchmenge reichte nur in den ersten paar Wochen, dann aber nicht mehr, es musste mehr und mehr zugefüttert werden und somit sank die Hoffnung Johanna eines Tages stillen zu können. Ich wartete trotzdem sehnsüchtig auf diesen Moment, auch in der Hoffnung dass das Anlegen endlich den Milchfluss anregen würde. Man sagte mir das Frühgeborene etwa ab der 34. SSW in der Lage sind gestillt zu werden. Als Johanna die 34. SSW erreicht hatte, war das Stillen weiter in die Ferne gerückt, da ich auf einmal Hautkeime in meiner Milch hatte, welche sich hartnäckig über zwei Wochen gehalten haben. Zu diesem Zeitpunkt war ich sehr verzweifelt und habe auch nicht mehr an eine Besserung der Situation geglaubt. Oft war ich kurz davor einfach aufzuhören; beim Abpumpen mit der elektrischen Milchpumpe hatte starke Schmerzen, der psychische Stress war einfach zu groß und die mitleidigen Blicke und Sprüche der Schwestern konnte ich auch nicht mehr ertragen... Irgendwie habe ich mich aber immer wieder aufgerafft und mir noch eine Woche des Probierens gegeben!
Am 30. Juni 03 war der langersehnte Zeitpunkt gekommen, meine kleine Tochter (1860gr. leicht) das aller erste mal an der Brust, sie saugte als hätte sie das schon immer gemacht :-). Als ich erfuhr das sie 5 g geschafft hatte, platzte ich beinahe vor Stolz, ich glaube ich hab den ganzen Abend sinnlos vor mich hin gestrahlt :-)
In den kommenden zwei Wochen gab es wieder viele Hochs und Tiefs. Ich stillte Johanna ein- bis zweimal täglich. Mir fehlte auch die nötige Ruhe fürs Stillen, Johanna brauchte immer sehr lange, schlief immer an der Brust ein und schaffte nie eine ganze Mahlzeit, mal 15 g, mal 50 g (soviel hatte ich nie abgepumpt!) dann wieder kaum etwas... Schlimm habe ich die Schwestern empfunden, die immer bloß die Uhr im Auge hatten und schon mit der Flasche (oder noch schlimmer der Magensonde) winkten. Manchmal hätte ich am liebsten aufgegeben, glaubte nicht das wir es schaffen könnten. Ich war viel zu sehr unter Druck! Vertröstete mich jedoch selber auf später, ich war mir sicher, dass nach der Entlassung zu Hause alles besser laufen würde. Am 14. Juli 03 wurde Johanna endlich entlassen. Zu Hause versuchte ich sie zu jeder Mahlzeit zu stillen. Den Rest trank Johanna brav aus dem Fläschchen. Ich setzte mich wiederum unter Druck: vor und nach dem Stillen auf die Waage mit der Maus. Langsam aber sicher wurden wir beide ein gutes Team, und ich wesentlich ruhiger und gelassener. Und genauso langsam wurde auch die Milch stetig mehr und Johanna brauchte nur noch ab und wann ein extra Fläschchen hinterher. Seit ihrem 4. Lebensmonat (etwa mit 3 1/2 Monaten) wird Johanna vollgestillt! Und die Milch fließt so gut, dass ich teilweise die Brust zwischen den Mahlzeiten (nachts) ausstreiche und wir sogar 100 ml als Badezusatz übrig haben. Die elektrische Pumpe ist längst wieder in der Apotheke, die Handmilchpumpe, Fläschchen und Milchpulver sind hinten im Schrank verschwunden! Nun ist Johanna schon 5 1/2 Monate alt (korrigiert 3 Monate), sie genießt ihre Stillmahlzeiten sehr und ich natürlich auch :o). Die ersten 6 Monate werde ich sie vollstillen, und dann ein paar Löffelchen Karotten anbieten, mal sehn wie sie darauf reagiert. Wir stillen auf jeden Fall nach Bedarf weiter, ich bin gespannt wie lange Johanna stillen möchte :-) Es war wirklich nicht immer einfach, aber ich bin super dankbar das wir durchgehalten haben. Ich finde es hat sich wirklich gelohnt! Johanna ist jetzt 10 Monate alt | ergänzt am 20.03.2004 Heute ist Johanna genau 10 Monate alt und sie stillt immer noch ganz begeistert! Seit ungefähr drei Monaten biete ich ihr täglich Beikost an, zunächst nur mittags, dann auch nachmittags und mittlerweile auch abends. Allerdings ißt sie nur das Mittags-Gemüse gerne und gut (aber auch erst seit ein paar Tagen), Obst und Griessbrei kommen nicht so gut bei ihr an. Am liebsten stillt Johanna halt. Und solange es noch so gut klappt, werden wir auch nichts daran ändern. Johanna nimmt sich schon die zusätzlichen Leckereien, die sie möchte :) abgestillt mit knapp 16 Monaten | ergänzt am 26.09.2004 Am Montag den 13. September 2004 haben wir die letzte Abendmahlzeit gestillt. Seitdem sind wir nun *stillfrei*. Nachdem sich die erste Wehmut gelegt hat, bin ich nun froh diesen Schritt gegeangen zu sein. Die letzten Wochen hatten wir, nachdem die 5 Uhr-Nacht-Still-Mahlzeit ersatzlos verschlafen wurde, nur noch Abends kuschelnd in den Schlaf gestillt. Jetzt kuscheln wir halt nur noch, aber dafür doch inniger. Mittlerweile glaube ich noch mehr daran, dass jedes Kind irgendwann an den Punkt kommt, an dem es von allein abgestillt werden möchte... Allerdings verblüfft Johanna uns täglich mit ihrem doch recht eigenen Geschmack und Willen. Vom Prinzip her isst sie jetzt alles - aber natürlich nur, was sie auch will. Ganz hoch im Kurs sind Schokoladen-Pudding, Wiener Würstchen und Nudel-Gerichte... Keine Angst: Johanna isst auch brav Obst, Gemüse und Milchprodukte - wenn es denn sein muss :). |
||